Cancel Culture

15.4.2026

Der Begriff » Cancel Culture« beschreibt ein gesellschaftliches Phänomen, bei dem Personen oder Organisationen öffentlich kritisiert und sozial ausgegrenzt werden, nachdem ihnen Fehlverhalten vorgeworfen wurde.

Das Ziel der Cancel Culture ist es meist, der betroffenen Person die öffentliche Plattform zu entziehen. Dies geschieht häufig durch:

- Boykottaufrufe

- Druck auf Arbeitgeber

- Social-Media-Stürme

- Ausladungen

Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg sorgte im April 2021 für eine heftige Debatte, als er sich in der SRF-Sendung »Sternstunde Philosophie« zur sogenannten Cancel Culture äusserte.

Muschg kritisierte, dass in heutigen Diskursen Menschen extrem schnell ausgegrenzt oder »abgeschrieben« würden, wenn sie sich nicht absolut konform ausdrückten. Dabei sagte er:

»Ein falsches Wort und du hast den Stempel. Das ist im Grunde eine Form von Auschwitz.«

Muschg argumentierte, dass das gegenseitige »Abstempeln« und der Ausschluss aus dem öffentlichen Diskurs die Gesellschaft spalte. Er sah darin eine Gefahr für die Demokratie:

Mechanismus des Ausschlusses: Er verglich das soziale »Cancelln« mit dem Prinzip der Eliminierung des Anderen. Wenn man Menschen vom Diskurs ausschliesse, baue man sich eine eigene, abgeschottete Welt.

Faschistoides Fahrwasser: Er warnte davor, dass der ehrenwerte Impuls, Diskriminierung zu bekämpfen, ins »faschistoide Fahrwasser« des Ausschliessens geraten könne.

Volksgemeinschaft: Er behauptete, von der Cancel Culture sei es »nur noch ein Schritt zur Volksgemeinschaft um jeden Preis«, womit er auf die NS-Ideologie anspielte.

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Nun ist Muschg bestimmt nicht einer meiner bevorzugten Autoren. Aber im Fall von Cancel Culture zeigt er Haltung und Mut. Jeder andere, der das so gesagt hätte, wäre unweigerlich der Cancel Culture zum Opfer gefallen.


Veröffentlicht am 14.04.2026 6:37 Uhr.

Denunzianten

9.4.2026

Da es in Deutschland vor und während des Zweiten Weltkrieges unzählige Mitläufer gegeben hat, die bereit waren, andere zu denunzieren und man dieses Phänomen später auch in der DDR wieder fand, ist zu vermuten, dass jede Gesellschaft einen relativ hohen Anteil an potenziellen Denunzianten hat. So auch die demokratische Gesellschaft. Hier wie dort fällt dieser Typus natürlich nicht auf, da er immer für das vermeintlich Gute und Wahre einsteht.


Veröffentlicht am 09.04.2026 10:18 Uhr.

Wölfe

8.4.2026

Die schlimmsten Wölfe sind die, die Blut geleckt und gleichzeitig Kreide gefressen haben.


Veröffentlicht am 08.04.2026 7:57 Uhr.

Falsche Grössen

6.4.2026

Bei manchem, den die offizielle Welt als weise bezeichnet, ist man eher an eine geistige Waise erinnert.

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Wenn man, wie jetzt Herbert Grönemeyer, mit einem Nationalpreis ausgezeichnet wird, müsste man sich im Grunde genommen fragen, was man falsch gemacht hat.


Veröffentlicht am 06.04.2026 8:17 Uhr.

Gedankengänge

4.4.2026

Wer nichts zu sagen hat, flüchtet sich ins Gerede.

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Manche erhöhen sich, indem sie andere niederdrücken.

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Manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass jene, die sich als Aufdecker feiern lassen, damit nur von ihren eigenen Abgründen ablenken wollen.

 

Veröffentlicht am 04.04.2026 7:50 Uhr.

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